Ist Schwimmenlernen allein die Lö- sung? Nein, aber es ist eine zentrale Grundla- ge. Wer nicht sicher schwimmen kann, ist am Wasser besonders gefährdet. Gleichzeitig schützt auch Schwimmfä- higkeit nicht vor Selbstüberschätzung. Deshalb geht es um beides: um Fähig- keiten und um Haltung. Wer ans Was- ser geht, braucht Respekt vor dieser Naturgewalt und eine gesunde Ein- schätzung seiner eigenen Fähigkeiten. Wer Hunderte Meter vom Ufer entfernt ist, hat auch bei einem „normalen“ Herzinfarkt keine Chance mehr. Sol- che Fälle kommen leider auch zu oft vor, gerade bei Männern. Was bedeutet dieser Respekt ganz praktisch? Nie leichtsinnig ins Wasser gehen. Warnhinweise beachten. Kinder – auch wenn sie schon schwimmen können ‒ keine Sekunde unbeaufsich- tigt lassen. Das Bier beim Grillfest am See sein lassen oder eben dann nicht mehr baden. Keine Mutproben. Und im Zweifel lieber einmal mehr verzich- ten als einmal zu viel riskieren. Das klingt simpel, ist aber oft genau der Unterschied zwischen einem schönen Sommertag und einer Tragödie. Welche Rolle spielt dabei die Was- serwacht? Eine enorm wichtige. Die Wasser- wacht rettet nicht erst im Notfall, sie wirkt schon lange vorher: mit Aufklä- rung, Schwimmausbildung, Wachsam- keit und Präsenz vor Ort. Sie ist für viele Menschen ein stiller Schutzfaktor, der oft erst dann richtig wahrgenom- men wird, wenn etwas passiert. Dabei leisten die Ehrenamtlichen Tag für Tag Herausragendes – professionell, en- gagiert und mit großer Verantwortung. Was möchten Sie den Menschen in Bayern vor dem nächsten Sommer mitgeben? Genießen Sie unsere Seen und Flüs- se, aber tun Sie das mit Vernunft. Wasser ist etwas Wunderbares – aber eben auch eine Naturgewalt. Wer das vergisst, bringt sich und andere in Ge- fahr. Mein Appell ist deshalb ganz klar: mehr Aufmerksamkeit, mehr Respekt, weniger Sorglosigkeit. Wenn wir da- durch auch nur ein einziges Leben ret- ten, ist es jede Mahnung wert. AQUA 01 I 2026 13 Warum ist Bayern besonders be- troffen? Bayern ist ein traumhaft wasserreiches Land. Wir haben unzählige Seen, Flüs- se und Naherholungsgebiete – und da- mit auch deutlich mehr Möglichkeiten, an unbewachten Stellen baden zu ge- hen als in anderen Regionen. Wo viele Menschen ans Wasser gehen, steigt auch das Risiko – besonders dann, wenn Gefahren unterschätzt werden. Ein Bergsee ist kein Schwimmbad, ein Fluss kein Freizeitpark. Und auch an vermeintlich ruhigen Gewässern kann es durch Kälte, Wellen, Strömungen oder plötzlich abfallende Ufer schnell gefährlich werden. Natürlich haben wir zum Glück unzäh- lige ehrenamtliche Wasserwachtlerin- nen und Wasserwachtler, die durch ihr Engagement verhindern, dass nicht noch mehr passiert. Aber durch die vielen Flüsse und Seen können sie eben nicht überall sein. Sie waren selbst Landesvorsitzen- de der Wasserwacht Bayern. Wie sehr prägt diese Erfahrung Ihren Blick auf solche Unglücke? Sehr. Man erlebt nicht nur schöne Sommertage und Prävention, sondern eben auch Einsätze, bei denen jede Minute zählt. Und manchmal kommt jede Hilfe zu spät. Diese Erfahrungen vergisst man nicht. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn wieder von einem Badetod berichtet wird? Vor allem Trauer. Und die Frage: Hätte das verhindert werden können? Sehr oft lautet die ehrliche Antwort leider: wahrscheinlich ja – oftmals eben durch mehr Vorsicht. Das macht es so schwer. Es geht eben nicht nur um Schicksal, sondern oft auch um Fehlentscheidun- gen, um Leichtsinn, um mangelndes Gefahrenbewusstsein. Genau deshalb müssen wir deutlicher werden. Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern? Wir brauchen mehr Bewusstsein für die Risiken – und zwar früh. Kinder müssen schwimmen lernen, dafür ist BAYERN SCHWIMMT eine hervorra- gende Initiative der Wasserwacht Bay- ern, die ich gerne unterstütze. Aber vor allem Eltern müssen ihre Ver- antwortung ernst nehmen – und zu- gleich mit gutem Beispiel vorangehen. Denn gerade auch Erwachsene müs- sen begreifen, dass Erfahrung kein kompletter Schutz ist. Und wir müssen die Arbeit der Wasserwacht und aller Rettungskräfte noch stärker unterstüt- zen. Prävention ist kein Nebenthema, sondern Lebensrettung.